Christoph Hörstel – was Wikipedia bisher verschweigt

Christoph R. Hörstel (* 1956 in Bremen) ist ein deutscher Politiker, Publizist und Regierungsberater. Er berichtete als Journalist und Sonderkorrespondent von 1985 bis 1999 unter anderem für die ARD – aber auch für ABC (USA), ITN (UK), TF1 (F) und YLE (FN) aus verschiedenen Staaten. Danach wechselte er als Vice President in die Kommmunikationsleitung des damaligen Siemens-Bereichs „Mobile Communication“. Ab 2001 betätigte er sich als Berater für Unternehmen und Regierungen und freier Publizist mit Schwerpunkt Kriegs- und Krisengebiete. Hörstel vertritt systemkritische Ansichten, die vor allem in seiner ethisch geprägten politischen Agenda wurzeln und sich gegen die als grotesk überzogen empfundene weltweite Macht der Finanzindustrie wenden. Er war Gründer und Bundesvorsitzender der Kleinpartei Neue Mitte und ist weiterhin Gründer und Bundesvorsitzender der Partei Deutsche Mitte.

 

Leben

Hörstel studierte nach Abitur und Grundwehrdienst in München Sinologie, Französisch und Spanisch und erlangte 2002 an der Universität Basel ein Master-Diplom für Marketingstrategie. Seit 1985 bereiste er Afghanistan und Pakistan. Andere Aufträge führten ihn auch nach Indien, Irak, Iran, Jordanien und Syrien. Ab 1985 war er beim ARD-Fernsehen als Sonderkorrespondent, später auch als Nachrichtenmoderator der Sendung MDR aktuell sowie als leitender Redakteur tätig. Hörstel wechselte 1999 zu Siemens mobile als Leiter der Bereichskommunikation und gründete 2001 die Regierungs- und Unternehmensberatung Hörstel Networks in München. Der erste große Firmenkunde war das britische Unternehmen Vodafone. Der erste regierungsamtliche Auftrag betraf die Konfliktbeilegung im Mordfall des afghanischen Vizepräsidenten Haji Abdul Qadeer.

2006/7 war Hörstel Coach für ausgewählte Führungskräfte der Bundeswehr-ISAF-Truppe am Zentrum Innere Führung (ZInFü) Koblenz im Fach Landeskunde Afghanistan und Gastdozent am Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik IFSH der Universität Hamburg zum Thema „Terrormediation in Afghanistan“.

Hörstel war im Jahre 2001 während des Sturzes der Taliban der einzig aktive westliche Journalist in Kabul. Das Visum mit Berichtserlaubnis hatte er über seine Kontakte zu Gulbuddin Hekmatyār erhalten. Als damaliger Beirat der Deutsch-Arabischen Gesellschaft bewirkte er 2006 ein Gespräch zwischen Bundestagsabgeordneten der SPD und der FDP sowie dem damals neu ins Amt gekommenen Hamas-Minister für Flüchtlingsangelegenheiten.[1]

Hörstel beriet 2012 die „Arbeitsgruppe Friedenspolitik“ der Piratenpartei.[2] 2013 gründete er die Parteien Neue Mitte (1. Mai 2013) und am 3. Oktober Deutsche Mitte. Bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte er erfolglos als Einzelbewerber im Wahlkreis Potsdam.[3]

Hörstel war mehrfach beim deutschsprachigen Programm des vom russischen Staat finanzierten Senders RT zu Gast – was etablierte West-Medien stört.[4][5] Seine Interviews mit russischsprachigen Sendern werden jedoch in jüngster Zeit hauptsächlich innerhalb Russlands ausgestrahlt. Hörstel ist vermutlich der am häufigsten interviewte Ausländer des iranischen Staatsrundfunks PARS (IRIB). Er vermutet eine angeblichen Dominanz der USA, deren Regierungen ihrerseits von global vernetzten Konzernnetzwerken beherrscht sind.

 

Ansichten

Euro

Den Euro hält Hörstel für ein Betrugsmodell des globalen Finanzkartells, das niemals als tatsächlich gesund funktionierende Währung geplant gewesen sei. (6)

 

Afghanistan – Terrormanagement

In einem Interview mit dem Südwestrundfunk behauptete Hörstel eine Verwicklung der Central Intelligence Agency (CIA) in die Terroranschläge am 11. September 2001.[7] In seinem Buch Brandherd Pakistan entwickelte er die bislang umfassendste Darstellung der von den USA ausgehenden Politik des Terrormanagements.[8] Wie Hörstel auch mit offizieller Zustimmung der Bundeswehr-Verantwortlichen unterrichtet hatte, führen die USA zwar offiziell den Krieg gegen den Terror, jedoch unterstütze die CIA über ihre Kontakte pakistanischen Geheimdienst Inter-Services Intelligence und zum Intelligence Bureau die Taliban und international arbeitende Terrorgruppen. Auch die Bundesregierung Deutschlands wisse davon. Die USA betreibe dieses Terrormanagement, um eine Legitimation zu haben, ihre Truppen weiterhin in Afghanistan zu belassen. Hörstel führte diesen Begriff erstmals 2006 als ISAF-Coach der Bundeswehr ein.[9]

Hörstel legte 2007 einen mit den Taliban, Hekmatyār und afghanischen Ministerien sowie dem Präsidialamt informell abgestimmten Friedensplan für Afghanistan vor. In der jüngsten Fassung (2009) sollten demnach alle fremden Truppen aus Afghanistan in drei Stufen und binnen drei Jahren abziehen.[10]

 

Nahostkonflikt

In einem Interview im deutschen Programm des iranischen Regierungssenders IRIB – World Service vom 7. Februar 2012 bestritt Hörstel eine Verantwortung Deutschlands für die Existenz und Sicherheit Israels:

„Deutschland hat seit 2007 durch Frau Merkel – aufgrund amerikanischer Interessen – Israels Sicherheit zur Staatsräson Deutschlands erklärt. Das kann man nur als eine Politik des Hochverrats bezeichnen. So sieht es eine ziemliche große Anzahl Deutscher. Wir haben überhaupt keine Verantwortung für die Sicherheit Israels, auch nicht für das Existenzrecht Israels. So ein kompletter politischer Unsinn.“[11]

Mit der israelischen Operation Protective Edge 2014, nach jüdischer Lesart ein „Massaker“ (12) und mit Israels Existenzrecht beschäftigte sich Hörstel in einer Rede auf einer Demonstration anlässlich des Al-Quds-Tages im Juli 2014 in Berlin:

„„Es gibt doch das deutsche Wort ‚Sinn‘. Dagegen stellen wir das Wort: ‚Un-sinn‘ – kein Sinn (3’03“). Israel hat eine Staatsgründung bekommen; eine Staatsgründung nach dem II. Weltkrieg. Damit Menschen jüdischen Glaubens eine Heimstatt in Palästina haben. Aber wer zerstört diese Heimstatt? Das machen radikale Zionisten in der Regierung von Israel (3’23“)! Das ist die größte Zerstörungskraft der Heimstatt der Juden in Palästina! … Dies ist eben kein „Sinn“ – und kein Staat wie er sein soll, nämlich dem Wohl seiner Bürger und der Freundschaft der Nachbarn verpflichtet (3’49“)! Dieser Staat ist ein Un-Staat. Das ist das Problem (3’56“). Und wenn ein Staat ein Problem ist in einem Konflikt, kann er nicht Teil der Lösung sein. Dann muss eine Lösung gefunden werden ohne diesen Staat – und MIT ALLEN JUDEN, um das ganz klar zu machen (4:13)!“ [13]

Seit einigen Jahren tritt Hörstel als Medienberater der antizionistisch-orthodoxen jüdischen Gruppe „Neturei Karta“ in Deutschland auf, so etwa als Gastgeber und Übersetzer bei einer Pressekonferenz in Berlin am 27. Januar 2010, dem Holocaust-Gedenktag. Rabbi Yisroel David Weiss, der als Sprecher der „Neturei Karta“ (NK) fungiert, hatte am 29. Januar 2014 auf Referentenebene ein Gespräch im Bundeskanzleramt in Berlin; das Amt distanzierte sich später und führte den Empfang auf einen „Irrtum“ zurück. Hörstel wies dies umgehend zurück, er habe das Kanzleramt selbstverständlich offen und umfassend über NK informiert. Rabbi Weiss wurde bei dem Gespräch von Christoph Hörstel begleitet.[14]

 

Antisemitismus

Als Bundesvorsitzender der Deutschen Mitte hat Hörstel zuletzt ausführlich zu Beleidigungen Stellung genommen, die sowohl der Partei Deutsche Mitte als auch ihm persönlich galten. Die übliche Verwendung des Begriffs „antisemitisch“ lehnt Hörstel als unzutreffend und aggressiv gegen den Volksstamm der Semiten ab, vielmehr sei „antijüdisch“ gemeint. Antijüdische Einstellungen bekämpft Hörstel vehement. (15)

 

Existenzrecht Israels

Im Streit um den Palästina-Konflikt lehnt Hörstel eine Beteiligung an Debatten m das „Existenzrecht Israels“ ab: Die Frage sei geklärt, Israel existiere – und sei für die Fehler seiner Regierungen voll verantwortlich. (16)

 

Israelkritik

In der Frage eines Zusammenhangs zwischen „Antisemitismus“ und Israelkritik bezieht sich Hörstel auf die Studie des Konstanzer Professors Wilhelm Kempf, der belegte, dass Israel-Freunde häufiger Antisemiten seien als Kritiker, die zumeist aus (menschen)rechtlichem Engagement handeln. (17)(18) Genau diese Einstellung nimmt auch Hörstel klar für die Politik der Deutschen Mitte und sich selbst in Anspruch. Kempfs Aussage über verbreiteten und fest verankerten Antisemitismus in der deutschen Gesellschaft stützt Hörstel ausdrücklich und bezeichnet dies als „Ansporn und Kriterium zugleich“. Hörstel wirbt für eine „weltweite Willkommenskultur für alle Juden“.

 

Massenzuwanderung

Die jüngste Massenzuwanderung nach Deutschland sieht Hörstel ausdrücklich wie die renommierte US-amerikanische Harvard-Professorin Kelly M. Greenhill, die in ihren umfangreichen und differenzierten Veröffentlichungen von einer „Massenmigrationswaffe“ spricht. (19) So widerlegt er mit Erfolg den Vorwurf des Rassismus, der gelegentlich in extremistischen Internet-Publikationen auftauchte.

Bezeichnungen als „rechts“ oder „rechtsradikal“ widerspricht Hörstel vehement, stützt sich dabei auf die definitorische Arbeit der Bundeszentrale politische Bildung (20). Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus bilden demnach Grundwerte für eine Einordnung als rechtsradikal, deren Anwendung auf die von ihm geführte Partei Deutsche Mitte oder ihn selbst Hörstel stets und auch juristisch erfolgreich bekämpfen lässt. (21)

 

Rezeption

Egon Bahr, ehemaliger außenpolitischer Berater Willy Brandts, schrieb 2007 zu Hörstels Friedensplan für Afghanistan, der soeben in dessen Erstling: „Sprengsatz Afghanistan“ erschien, für die Veröffentlichung auf dem Buchrücken: „Dieser Friedensplan für Afghanistan verdient alle Beachtung.“ Hans Christoph Graf Sponeck, ehem. UN-Koordinator für Pakistan/Afghanistan, Indien und Irak, schrieb an gleicher Stelle dazu: „Provokativ! Ein wichtiger Anreiz zum Verständnis, warum Afghanistan nur ohne fremde Truppen zum Frieden findet.“

Große Medien reagierten jedoch weniger lobend: In einem Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von 2008 wurde Hörstel vorgeworfen, er sei „ein politisch hochbewusst kalkulierender Lobbyist“ der Taliban.[22] Hörstel reagierte darauf in einer Radiosendung des Südwestrundfunk: „Jemand der aufdeckt, dass die amerikanischen Dienste die pakistanischen Dienste anleiten, al-Qaida und die Taliban zu unterstützen – so wie ich das behaupte in meinem zweiten Buch – das ist klar, dass der offenbar nicht ein Lobbyist und Propagandist der Taliban sein kann.“

Thomas Speckmann warf Hörstel in der Tageszeitung Die Welt vor, dass er die politische Wahrheit, die hinter dem Afghanistan-Einsatz steht, verkenne und schrieb, dass die Soldaten nicht kämen, „um einen neuen Staat nach europäischem Vorbild zu errichten, sondern um Bin Ladens Gotteskrieger zu bekämpfen.“ Daher irre Hörstel auch, wenn er mahnt, „das deutsche Engagement bei der Anti-Terror-Operation ‚Enduring Freedom‘ behindere alle guten Vorhaben, die Deutschlands ISAF-Truppen sichern helfen wollen. Mit Spezialeinheiten Gegner ‚abzuknallen‘, beschädigt eben nicht die Glaubwürdigkeit des westlichen Willens, sondern sei vielmehr Voraussetzung für einen Erfolg der ISAF-Mission.“, so die veröffentlichte Meinung der Tageszeitung.[23]

Hörstel beharrt darauf, dass diese Lesart eine reine Propaganda-Behauptung sei, schließlich habe sich Al-Qaeda inzwischen zu ISIS/IS gemausert, der Terrorismus sich dank westlichen Managements erfolgreich in Nordafrika und Nahost ausgebreitet – und suche nunmehr verstärkt Europa heim: ganz nach Plan. Knut Mellenthin hat diese Sicht in einer Rezension unterstützt. (24)

Laut Spiegel Online gilt Hörstel, der „einst als Experte und Journalist gefragt“ gewesen sei, aufgrund seiner Ansichten heute „weitgehend als diskreditiert“.[25] Laut Hörstel gehört Spiegel zu den großen kartelltreuen Medien (26), wie sie im US-Generalstabsplan „Joint Vision 2020“ (27) als Bestandteil im angeblichen „Krieg gegen Terror“ als integraler Bestandteil der militärischen Anstrengung aufgelistet sind – und dadurch diskreditiert. (28)

In verschiedenen Medien werden Hörstel und seine Thesen als verschwörungstheoretisch bezeichnet.[29][30] Hörstel hält dagegen, dass seine Direktkontakte ihn zum Verschwörungspraktiker qualifizieren. Dieser Sichtweise wurde bisher nicht widersprochen. (31) zu Verschwörungstheoretikern zählt Hörstel solche Analysten, die glauben machen wollen, man könne aus einer Höhle in Afghanistan heraus das mit Abstand größte und komplizierteste Multi-Attentat der Weltgeschichte durchziehen.

 

Veröffentlichungen

 

Weblinks

 

Einzelnachweise