Informationskrieg gegen Russland ist Kriegsvorbereitung!

Russland Informationskrieg

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Aus: „Stufen“ – Gedicht von Hermann Hesse

Zur ersten vollen Amtszeit des schneidigen jungen russischen Präsidenten Putin schien noch alles in Ordnung. Am 25. September 2001 hielt er im Bundestag eine zu Herzen gehende Rede, auch mit großen deutschsprachigen Redeanteilen, hör- und sichtbar um äußerste Präzision bemüht. Deutschland wollte gute und engere Verbindungen, Russland sowieso. Doch Washington hatte längst anders entschieden – und das gab den Ausschlag. Russland sollte gehorchen, sollte wirtschaftsliberale Ansätze im Sinne der globalen Finanzindustrie und nur schwach gedeckt westlich gesponserte politische Kräfte im Inland wirken lassen – und schließlich womöglich im Nato-Imperium nahtlos verschwinden. 2003 ging der Burgfrieden zu Bruch, als der zügellos raffgierige Magnat Chodorkowski kurz davor stand, wesentliche Rohstoffvorkommen an westliche Energiekonzerne zu verscherbeln und unterdessen Putin auch innenpolitisch offen herausforderte – von zahlreichen Rechtsbrüchen einschließlich nicht restlos geklärter Morde ganz zu schweigen. Der in Ungarn geborene US-amerikanische Eigentümer und Chef seines Thinktank cum Nachrichten- und Informationsdienst „Stratfor“, George Friedman, brachte die US-Motivation in seiner weltweit Aufsehen erregenden Chicagoer Rede vom 4. Februar 2015 glasklar auf den Punkt: Oberstes Ziel der US-Außenpolitik sei es seit mehr als 100 Jahren, eine engere Verbindung zwischen Deutschland und Russland UNTER ALLEN UMSTÄNDEN zu verhindern. „Unter allen Umständen“ – das schließt notfalls auch Krieg ein.

Das bedeutet jedoch nicht, dass es KEINEN Krieg gibt, so lange beide Staaten ohne engere Bindung nebeneinander leben. Ob es Krieg gibt oder nicht, richtet sich schließlich „traditionell“ nach den Bedürfnissen kleiner aber äußerst mächtiger Gruppen, die verschiedene Interessen zu beachten haben und bündeln. In Zeiten eines zwangsläufig bevorstehenden globalen Finanzcrashs müssen daher diverse „reife“ Kriegseintrittsszenarien vorgehalten werden, die dann jeweils noch ruhig gehalten oder bis zum scharfen Schuss geführt werden, je nach Bedarf. Derartige Bedürfnislagen sind bei normalen Menschen gar nicht und bei Regierungen sehr selten vorhanden. Deshalb müssen in allen Ländern, in denen diese vor allem Finanzkartell-gestützten Mächte „durchregieren“, die dortigen Medien auf den Kurs getrimmt werden, auf die strategisch geplanten Kriegsszenarien bestmöglich vorzubereiten. Das Positive an der US-Politik ist ihre gelegentlich gnadenlose und höchst erstaunliche Offenheit. Dass Medien sich den Kriegsszenarien unterzuordnen haben stand bis vor wenigen Jahren ganz öffentlich im Internet einsehbar in der US-Militärdoktrin „Joint Vision 2020“, die deshalb als Datei beigefügt* wird. Dort sind Medien  unbezweifelbar aufgeführt als wichtige zivilgesellschaftliche Verfügungsmasse im „Krieg gegen Terror“ – an dem bedingungslos mitzuwirken die jeweiligen Redaktionen ganz offensichtlich gezwungen sind. Und so darf nicht wundern, wenn nun weltweit westliche Medien bestimmte Propagandainhalte nachbeten wie Kirchengebete, auch außerhalb des engen Themenbereichs des US-offiziellen „Krieges gegen Terror“. Schließlich geht es Washington um (S. 58) „verbundene Fähigkeiten: intellektuell, operational, organisatorisch, doktrinär und technisch.“ Nicht-militärische Mittel gehören dazu – die entsprechende Grafik sieht fließende Übergänge. Nicht unwichtig ist auch, dass diese beeindruckende Medienstrategie seit dem Jahr 2000 zur Verfügung steht, sozusagen „rechtzeitig“ zum Attentat 9/11 – jedoch wiederum auch zeitlich genügend weit entfernt, um jede planhafte Absicht ins Reich der gesellschaftlich und medial diskreditierten „Verschwörungstheorie“ zu verweisen.

Die EU- und Nato-Beitritte der Länder des früheren Warschauer Paktes machten jedem politisch interessierten Menschen klar, dass die treibende Kraft hinter diesem wortbrüchigen Vormarsch in Europa, aus oberflächlicher Sicht Washington, nicht daran dachte, an der russischen Grenze innezuhalten. Vielmehr wurden über eindeutig indirekt CIA-finanzierte „N“GO-Organisationen und viele andere Kanäle die Einflussschienen in Russland ausgebaut. Das entsprechende „Agenten“-Gesetz ließ zu lange auf sich warten. Nachdem der junge Präsident Putin klargemacht hatte, dass er nicht daran dachte, seine Heimat für wertlose Dollars zu verkaufen oder auf andere Weise der globalen Konkurrenz auszuliefern, wurde auch ganz offen und persönlich zugespitzt an seinem gesellschaftlichen Ruf gekratzt.

Heute verzeichnen wir erhebliche Nato-koordinierte Anstrengungen im Medienbereich, gelegentlich sogar mit skandalösen Begleiterscheinungen. Dass anonyme Quellen herhalten müssen, wenn gelogen wird, ist alter Brauch – doch im Fall Russland ist die Zunahme solcher Fälle belegt. Besonders unangenehm ist auch die mit Millionenbudgets arbeitende „Integrity Initiative“ in ihrer grotesken Einseitigkeit mit gelegentlich kriminellem Hintergrund der Akteure. Über die Machenschaften der „Agentur“ „Bellingcat“ machen sich kritische Köpfe in den Nato-Ländern inzwischen ganz offen lustig. Bellingcat hatte mit großem Aufwand eine beeindruckende Dokumentation geschaffen, um Russland den Abschuss des Verkehrsfluges MH17 der malaysischen Luftlinie in die Schuhe zu schieben, in strikter Leugnung entgegenstehender Tatsachen, dafür einschließlich massiver Zeugenbeeinflussung. Aber die Sanktionen traten sofort in Kraft, westliche Politiker und Medien wussten schon Stunden nach dem Abschuss, dass nur Russland unter Präsident Putin als Schuldiger in Frage kam. Skripal und andere groteske Fälle runden das Bild in verheerender Weise ab.

Hier kann nicht jeder einzelne Schritt des westlichen anti-russischen Propagandakrieges nachvollzogen werden; doch über den zweimaligen Staatsstreich in der Ukraine, 2004 und 2014, muss gesprochen werden, weil auf die russische „Notbremse“ auf der Krim 2014 die allermeisten antirussischen Sanktionen gründen. Was Deutschland, nicht zuletzt mit sowjetischer und dann mit russischer Hilfe durfte, nämlich Ost und West wiedervereinigen, soll demnach der Bevölkerung der Krim verwehrt werden, ungeachtet völlig eindeutiger und überwältigend klarer Abstimmungsergebnisse. Konstruktive Vorschläge zur Respektierung der Krim-Verhältnisse durch den in Ost und West hoch renommierten geistigen Vater der erfolgreichen Entspannungspolitik der 70er Jahre, Professor Egon Bahr, blieben sogar in dessen eigener Partei (SPD) unberücksichtigt. In dieser Woche brachte nun das 1. deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen (ARD) einen Rückblick zum fünften Jahrestag des aus der Washingtoner Botschaft in Kiew geführten Staatsstreichs auf dem Maidan. Obwohl in der Vergangenheit das ARD-Kontrollgremium wiederholt einseitig anti-russische ARD-Berichterstattung kritisiert hatte, werden hier in katastrophalen Auslassungen über die schwere westliche Einmischung direkt an der russischen Grenze alle Klischees gegen Russland bedient, die vorstellbar sind.

Dass im Westen der nächste Krieg gegen Russland intensiv vorbereitet wird, ist in Russland allgemeine Bewusstseinslage – nicht jedoch im Westen. Dass jedoch Russland im Informationskrieg erhebliche Rüstungslücken aufweist, die es den West-Regierungen strak oder sogar endgültig erschweren, den erwünschten Krieg zu starten, trotz false flag-Operationen und anderen Tricks und Lügen, das ist eine Sicherheitslücke. Die gestopft werden könnte – und als Deutscher bittet dieser Autor: gestopft werden MUSS.

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