Lernstoff: die Befreiung der Germanen von römischer Herrschaft

Voller übler Propaganda gegen Germanen und ihr Stammeswesen ist dieses Machwerk der üblichen TV-Kartellpropaganda: Primitiv, fast tierisch, wirr und brutal seien die Germanen gewesen, die damals den römischen Legionen unter Varus und „Germanicus“ siegreich getrotzt hatten: Germanen waren weniger verweichlicht als Römer, Frauen führten Stämme, galten bei Cäsar, Plutarch und Tacitus als „tapfer“ und „entschlossen“, haben Schriftzeichen, Runen, mit entwickelt, waren als weise und seherisch begabt anerkannt, es gab sehr entwickelte Rechtsverfahren („germanische Teilung“), die zwar nicht aufgeschrieben aber altehrwürdig gültig waren. Drei Weltreiche wurden von der traditionellen paschtunischen Stammesgesellschaft Afghanistans binnen eines einzigen Jahrhunderts besiegt, von zumeist illiteraten Kämpfern: Großbritannien, Russland und die Nato. Wichtig: Verbundenheit mit Nachbarn und Natur sowie rechtmäßige gemeinsame Ziele können auch gegen sehr große Mächte den Sieg bringen.

Schrifttum: Drei große Weltweise: Laotse, Plato und Jesus Christus haben absichtlich nichts aufgeschrieben – wie die Germanen. Wer nicht schreibt, muss den Geist der Dinge verinnerlichen. Schrifttum hat seinen Sinn und Reiz, das Nicht-Schreiben bringt Inhalte zum dauerhaften Leben: immer neu, immer in Verbindung mit Tradition und aktueller Lage. Und auch deshalb wohnt den Germanen etwas inne, das tiefer reicht als oberflächliche oder literarische Augen sehen.

Germanen lebten mit ihren Bäumen. Junge Frauen wurden in heiligen Hainen unterrichtet. Germanen wussten, manche wissen es noch: Bäume sind Wesen. Sie sind uns anvertraut, sie geben uns sehr viel. Ich stehe jeden zweiten Tag zwischen vier Eichen und verbinde mich dankend mit ihnen – und mit Mutter Erde, der wir gehören. Römer haben Italien für ihre verdammten Eroberungsflotten und Militärbauten abgeholzt, mit Klima- und Naturschäden gewaltigen Ausmaßes. Das ist tatsächlich kulturlos.

Wahnsinn: Germanische Geschichte – und wir kennen nicht einmal den Vornamen unseres Helden. Der Mann wird im Film dargestellt wie ein schräger, vor sich hin brütender Waldschrat. Während seines Aufenthalts in Rom ist er dagegen schön, „zivilisiert“ und glatt rasiert. Sein „Verrat“ an Varus und Rom wird kritisiert.

Interessant: Diese „germanischen Barbaren“ sollen die Nachfahren der „hoch zivilisierten“ Kelten gewesen sein, die in einem anderen Filmbeitrag von Arte beschrieben werden. Allein schon an der unterschiedlichen Beschreibung der Kunst des Schwertschmiedens lässt sich der Unsinn des Cherusker-Films ablesen: Diese Kunst müssten die Germanen glatt „vergessen“ haben – ist das wahrscheinlich, da es sich doch damals um eine „Schlüsseltechnologie“ gehandelt hat? Die berühmten Samurai-Schwerter wurden übrigens nach dem gleichen Verfahren geschmiedet und dabei äußerst scharf und flexibel. Kelten und Germanen trieben weltweit Handel, standen mit der ganzen Welt in Kontakt, waren vorurteilslos und offen. Deshalb waren sie wohlhabend – und der Wohlstand war im Volk weithin und offenbar ziemlich gerecht verteilt.

So geht Kolonial-Erziehung für die deutschen Untertanen.

Bei Luisa Francia (München, 2010, SS. 151ff) nachzulesen, öffnet neue Horizonte: Wer hat denn „Arminius“/“Hermann“ die Einigung der Stämme ermöglicht, die er allein nie hätte stemmen können? Vielleicht auch das Netzwerk der Frauen?: Es gibt auch die Lesart, dass Thusnelda um „ihren“ Arminius gekämpft hat – und dafür ihr ausgedehntes Beziehungsgeflecht zu anderen Damen des Adels nutzte. Sie wollte ihm helfen, um ihn heiraten zu können – und nicht von ihrem pro-römischen Vater Segestis an einen hochrangigen Römer verscherbelt werden. Arminius wiederum wollte seine Thusnelda, die er auch in Rom nie vergessen konnte (Tacitus) – und wandte sich endgültig von den Römern ab, um sie sicher für sich zu gewinnen.

Stammbaum „Arminius“: Quelle

Kelten-Film: