Russland-Frankreich-Ukraine: Lachnummer um „Mistral“ – Tod im Donezk etc.

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Das idiotische Gezerre um die Lieferung zweier französischer Hubschrauberträger an Russland verkommt soeben zur Lachnummer: Die französische Herstellerfirma DCNS hat den obersten Projektleiter entlassen – herzlichen Glückwunsch, dass wieder ein Sündenbock gefunden wurde, wo doch tatsächlich Präsident Hollande so schwach und mutlos ist, sich von Washington diktieren zu lassen, wann er welches Schiffchen wohin liefern darf. Die „Grande Nation“ verkommt zur „Grande Narguée“ (verspottet).

Was war geschehen? Am Mittwoch hatte Russlands Vizepremier Rogosin erklärt, der staatliche Waffenhändler Rosoboronexport habe eine Einladung nach Saint-Nazaire erhalten: für die Übergabe des ersten der zwei Schiffe am 14. November. Und der jetzt gefeuerte Projektleiter hatte das persönliche Pech, diese Einladung verschicken zu müssen. Diese Einladung, die postwendend am nächsten Tag von der französischen Regierung widerrufen, dementiert, annulliert – auf jeden Fall: begraben worden war. Faszinierende Begründung: „die Umstände seien noch nicht reif“ dafür. Typisch „Spiegel“: Gleich hatte die Nato-Kampfpostille vermutet, Russland wolle die in der Nato höchst umstrittene Lieferung „herbeireden“.

Eher wahrscheinlicher Ablauf: DCNS steht das Wasser am Hals: Wenn nicht geliefert werden kann, folgen Entschädigungsklagen aus Moskau, Massenentlassungen, ganz Saint-Nazaire läge flach am Boden, die Arbeiter zittern. „Stimme Russlands“ hat einen echten Coup gelandet und einen ehemaligen Werftarbeiter interviewt, der offen sprechen konnte. Hand aufs Herz, was macht ein derart unter Druck gestelltes Unternehmen? Es probiert den Ausbruch aus der fallenden Festung. Ein untergeordneter Mann wird beauftragt, einen Probeschuss zu tun – und die Russen einzuladen; weil das Ausladen so verflucht peinlich wäre. Hallo „Spiegel“: Aus Not hat DCNS die Übergabe herbeireden wollen, nicht Moskau; so sieht’s aus.

Bemerkung am Rande: Russland hat bereits erklärt, die Schiffe notfalls einfach selbst zu bauen. Hintergrund dazu: Die russischen Bedienmannschaften wurden schon an Bord geschult. In der jetzigen Lage haben die garantiert jede Schraube fotografiert. Frankreich wäre bei Entfall der Lieferung buchstäblich in den Hintern gekniffen. Hintergrund vom Hintergrund: GENAU DAS wollen die USA – Frankreich und ganz Europa in den Hintern kneifen. So etwas heißt heute: „Freunde und Verbündete“. Wer die USA zum Freund hat, braucht keine Feinde mehr.

Wer allerdings Amerikaner zu Freunden hat – der ist gut dran: SEHR nette Menschen.

„That said“, nach alledem, kommen wir noch einmal zu den oben erwähnten Umständen der Lieferentscheidung: Diese „Umstände“ haben einen konkreten Namen: „Situation in der Ukraine“. Und was passiert da? Unsere F&V haben ja gern das ganze Spiel von mehreren Enden aus in der Hand. Also können sie von Kiew aus über Donezk ganz einfach den Kriegspegel hochschrauben: kein Mistral, weil immer Russland schuld ist – oder wieder lockerlassen. Zur Zeit, kurz vor dem letzten noch halbwegs vertragsgemäßen Übergabe-Zeitpunkt – und weil ohnehin auf dem hoch wichtigen Gassektor zu viel Einigkeit herrscht: wird „hochgefahren“: Die Donezker Volkswehr meldet die Abwehr einer Panzerattacke. Das könnte ohnehin nur die Spitze des Eisberges sein, Kiew hat viel Kampfkraft um die abtrünnigen Gebiete zusammengezogen und bereitet sich auf einen Sturm vor – die Volkswehren überlegen sich, ob sie nicht ihrerseits losstürmen sollen, bevor sie einen Überfall auf ihr enges Gebiet erdulden müssen. In Deutschland kennt man diese Fragestellung aus der Vergangenheit: Auf wessen Gebiet sollen die Kämpfe ausgefochten werden, bei wem geht die Gebäudesubstanz und Infrastruktur kaputt: bei euch oder bei uns.

Nicht zuletzt: Morgen wird in den Republiken gewählt – daran sollen ja die Menschen auch keine Freude haben, also lass sie mal im Granatenhagel zu den Wahlurnen hetzen. Das könnte etwa der Gedanke am Sitz der tatsächlichen Kiewer Regierung sein: in der US-Botschaft.

Wenn nun jemand glaubt, das sei es jetzt mit schlechten Nachrichten gewesen, unsere F&V sind noch für ein paar Schoten gut: Da war doch dieser russische Leiter einer Auslandsvertretung, der plötzlich unter dem Verdacht eines Betrugsversuchs in den USA festgenommen wurde – und nun mit 20 Jahren Haft bedroht wird. Plötzlich bekommt die Geschichte einen ganz anderen Hintergrund: Laut US-Gerichtsakten wollten US-Agenten den Mann schon im Sommer anwerben und gegen Moskau drehen. Wie nennt man so etwas noch? Kalten Krieg.

Das ist NOCH nicht Alles: In Mittelost gibt es gegen IS keine Zusammenarbeit mehr zwischen Russland und USA. Für mich war diese Idee ohnehin eine Totgeburt: Die USA wollen alle Länder destabilisieren, erpressen und einen Weltkrieg vorbereiten, die Russen sind mit allen Völkern dort geschäftlich und politisch verbandelt – und wollen natürlich das Gegenteil.

Was machen die USA in dieser Lage? Sie versuchen Russland zu isolieren. Moskau spürt den kalten Wind schwindender Sicherheit und signalisiert: Abwehrbereitschaft. DAS wird dann von unseren Kriegstreiber-Medien als Aggression gewertet. Russlands Sicherheitsratschef Patruschew ist ein ebenso kultivierter wie kluger Mann. Es ist ein Jammer, dass die hoch korrupte und feige Politik unserer Bundesregierung, die ja in Wahrheit und Tatsache eine Hochverratspolitik betreibt – auf allen Gebieten, in allen Ministerien, im historisch entscheidenden Moment den beiden Völkern nicht erlaubt zusammenzukommen. In dem Moment, wo sie die Weltpolitik hätten zum Frieden drehen, zumindest jedoch: den Frieden hätten nachhaltig stärken können.

 

Foto: © RIA Novosti. Aleksei Filippov

Karte: http://ic.pics.livejournal.com/dragon_first_1/72271520/44920/44920_original.jpg

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