„Verschwörungstheorie“: Krach mit RT Deutsch

RTD Interview 2016-6-10

Viele wundern sich, warum Christoph Hörstel zwar für russische Medien schreibt und dort häufig interviewt wird – nicht jedoch bei RT Deutsch.

Das hat einen ganz einfachen – aber bedauerlichen – Grund: Am 10. Juni 2016 kam die RTDeutsch-Moderatorin Yasmin Kosubek nach Potsdam gefahren, um mich zum Thema „Bilderberger“-Treffen zu befragen. Tatsachengemäß gab ich ihr Auskunft, dass viele diese Gruppe fälschlich für ein Entscheidungsgremium halten. Zur Begründung stellte ich fest, dass es sich bei den wichtigeren Gästen zumeist um angestellte Top-Manger handelt, die jedoch jederzeit entlassen werden können. Die tatsächlichen Entscheidungsträger seinen zumeist zweistellige US-Milliardäre. RTD hat auch manches herausgeschnitten, denn es sind ja auch Politiker, Medienvertreter (Springer-Chef Döpfner, ein selbsternannter Zionist!) und Chefs von interessanten Beratungsunternehmen etc. eingeladen…

Hörstel über RTD 2016-6-11

Hörstel Facebook 2016-6-11

Zurück im Studio verkündete Frau Kosubek fröhlich, das sei ja eine Verschwörungstheorie, die unsere komplizierte Welt recht einfach mache. So etwas nennt man im journalistischen Geschäft: „in die Pfanne hauen“. Man holt sich eine Stellungnahme ab, mit der man hinterher den nichtsahnenden Gesprächspartner verunglimpft. Das ist selbstverständlich unanständig – habe ich in meinem früheren journalistischen (ARD-)Leben nie getan. Wenn Frau Kosubek meine Aussagen für Verschwörungstheorie hält, was ja ihr gutes Recht ist, hat sie die Pflicht, mich im Interview damit zu konfrontieren und mir auf diesem offenen Wege die Chance zu geben, meine Ansicht zu erläutern. Das hat sie nicht getan, vermutlich auch deshalb nicht, weil ihr diese Verhaltensregeln vermutlich ziemlich fremd sind, ebenso wie manche Tatsachen aus der Politik.

Jedenfalls habe ich am nächsten Tag öffentlich reagiert, auf Facebook:

RTD über Hörstel: „Verschwörungstheorie!“ – ?? Praxis, Freunde!
Hat RTD Angst vor Bilderberg? Seit Jahren schon sage ich in allen damit befassten Interviews: „Die Welt wird nicht von den Obamas & Merkels beherrscht, sondern von global vernetzten Konzernkartellen. Darin wiederum üben die „zweistelligen Milliardäre“ entscheidenden Einfluss aus.“ RTD mochte das gestern nicht als „Sichtweise“ bezeichnen – ich wurde gleich abgestraft: „Verschwörungstheorie – einfache Weltsicht“… Tut mir leid, Freunde, ich habe da nicht nur die US-Universität Princeton auf meiner Seitehttp://tinyurl.com/nwvq7yh & http://tinyurl.com/pedhust & http://tinyurl.com/zjbh4xg Ich frage: Was fehlt dem „Fehlenden Part“?

Seitdem hat mich der sympathische und tüchtige RTD-Chefredakteur Ivan Rodionov zweimal kontaktiert, zuletzt bei einem Termin in der russischen Botschaft mit vielen geladenen Gästen zur Verabschiedung des scheidenden Botschafters Grinin – und versuchte, die Dinge zu reparieren. Das hat mich sehr gefreut – und wie immer habe ich ihm erklärt, wie das geht: RTD erklärt sein Bedauern über den Vorfall und gibt mir Gelegenheit, die Dinge klarzustellen. Immerhin hat ja inzwischen der mutige UN-Welternährungsbeauftragte Jean Ziegler vor deren Gipfel in Hamburg 2017 über die G20 exakt das Gleiche gesagt – wir haben seitdem auch hin und wieder Telefon-Kontakt.

Rodionov versprach zu schreiben – und hat das nie getan, ich habe das nachgeprüft mit ihm, denn ich werde ja von den Providern täglich geschädigt: Telefonate kommen nicht durch, obwohl ich neben dem Telefon sitze, Mails kommen nicht an, Briefe werden unterschlagen. Das ganz normale Geschäft in Diktaturen – und wir sind auf dem Weg dahin. Seit langem.

Bleibt noch die Frage: Warum hat RTD das gemacht, schließlich ist allgemein bekannt, dass ich in Russland zu den Vorkämpfern der Idee gehört habe, Deutschland UND Frankreich gleichzeitig zu Gastgebern eines RT-Auslandsstudios zu machen?

Dazu habe ich eine Idee – vielleicht eine „Verschwörungstheorie“? Seit ich bei RT Moskau in englischsprachiger Live-Sendung erklärt habe, dass die Welt von Kartellen regiert wird, vor allem vom Finanzkartell, werde ich nicht mehr dort interviewt, sondern „nur“ noch in russischsprachigen Sendungen für den internen russischen Gebrauch. Auf Nachfrage sagten mir russische Freunde, „Russia Today“ gehöre zur neoliberalen Clique in Moskau, der auch der russische Premier Medwedjew angehöre. Die andere große Clique sei die von Putin, der stehe dem Kartell fern – wie vor allem auch sein alter Freund Wladimir Jakunin, den ich mehrmals persönlichen sprechen konnte. Zwischen beiden Gruppen herrsche ein harter Machtkampf.

Für diese Orientierungshilfe bin ich dankbar.

Vermutlich ging es darum, rechtzeitig vor dem Wahljahr 2017 klarzuziehen, dass meine politische Richtung wirklich keinerlei TV-Zugang in Deutschland bekommt. Ich habe das damals als Warnzeichen aufgefasst – und meine und die Parteiarbeit entsprechend orientiert.