Palästina: Israels Massenmord – Hass macht nichts besser!

Freitag, 1. Juni 2018: Am illegalen Zaun um den Gaza-Streifen erschießen israelische Scharfschützen die freiwillige Sanitätshelferin Rasan Al-Nadschar. Sie wurde 20 Jahre alt. Die junge Frau war in den letzten Wochen bekannt geworden durch ihre Einsätze im Rahmen der Aktion „Heimkehr“, in der sie unerschrocken und tapfer mitten ins Feuer eilte, um Verwundeten zu helfen. „Das ist nicht nur Männersache“, sagte sie in einem Interview, „auch Frauen können helfen.“ So gehöre sie zu den ersten Frauen, die diese gefährliche Arbeit unternahmen. In den Tagen vor ihrer Ermordung gab sie mehrer beseelte Interviews, voller Liebe zu ihrer Heimat und ihrem geschundenen Volk. Wer Rasan Al-Nadschar zuhört und zusieht, nimmt eine große persönliche Strahlkraft und mitreißenden Idealismus wahr. Wenn ich die israelischen Kriegsgepflogenheiten korrekt verstanden habe, dann waren es diese Interviews und eben diese ihre begeisternde Art, die ihre Ermordung beschleunigt haben: Israels „Sicherheit“skreise mögen keine Helden unter den Palästinensern. Die Aktion Heimkehr im Gazastreifen hat sie hoch nervös gemacht, weil sie in Tatsache eine Heldenaktion ist: Junge Menschen gehen bewusst zum Sterben an den Zaun – die ganze Welt schaut zu, erst verwundet, dann entsetzt. Die Sprengkraft dieser Idee ist geradezu nuklear – die Schäden für Israels Außenpolitik sind gewaltig: Israel hatte sich für einen temporären Sitz im UN-Sicherheitsrat beworben – erledigt. Israel wollte in Syrien den Abzug iranischer Berater erzwingen – gescheitert. Israel wollte nach der idiotischen Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem international auftrumpfen – verloren. Die USA sind sogar zurückgerudert und verlegen nicht den Gesamtbetrieb aus Tel Aviv nach Jerusalem.

Frau Al-Nadschar war am Abend ihres Todes, eine Stunde vor Sonnenuntergang, zum letzten mal zum Zaun gelaufen, um einem Verwundeten zu helfen, mit hoch erhobenen Händen in weißen Gummihandschuhen, die sicherlich auch irgendwann einmal steril gewesen sein mögen, die weiße Kleidung flatterte, deutlich war ihre Aufgabe auf dem Schlachtfeld zu erkennen.

Die Scharfschützen feuerten zwei-, dreimal, trafen die junge Helferin in die  Brust. „Mit einem Dum-Dum-Geschoss“, sagte ihre Mutter später. Diese Geschosse sind manipuliert, damit sie sich in der Luft überschlagen. Beim Aufprall im Ziel reißen sie auf diese Weise große Wunden, die kaum zu heilen sind – und sind deshalb international verboten.

Die Trauerfeier für die junge Heldin der Befreiung Palästinas geriet dann unversehens zur Großdemonstration gegen israelische Unterdrückung – Israel antwortete mit Bombenangriffen als Reaktion auf „Terroraktionen, die während des gesamten Wochenendes von der Hamas-Organisation angeführt wurden“. Die Hamas hatte am 31. Mai eine einseitige Waffenruhe ausgerufen, auch um die Demonstranten am Zaun einerseits zu schützen und andererseits zur Friedfertigkeit zu verpflichten. Auch hier ist es typisch für israelische Politik, durch gezielte blutige Provokationen solche friedensfördernden Vorstöße wie die der Hamas zu zerstören. Dies ist erneut gelungen.

Entscheiden wichtig ist im Verständnis dieser Entwicklung: Sympathische idealistische Menschen gibt es in allen Völkern, auch in Israel. Es hilft keinem der ermordeten jungen Kämpfer für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit, wenn die Überlebenden, die Weiterlebenden, einander mit Hass begegnen.

Wir von der Neuen Mitte setzen uns in Palästina für die Aktion BDS ein – Boykott, Desinvestition, Sanktionen – die auch schon Südafrika vom weißen Unterdrückerregime erfolgreich hat befreien helfen. Wir kritisieren Israels Politik, wir bekämpfen die verheerende Ideologie des Zionismus – und wir helfen mit, Juden in aller Welt zu beschützen. Rasan Al-Nadschar ist ihren Weg in Liebe und Hingabe gegangen. Nur auf diesem Weg helfen wir, das Problem zu lösen, das jetzt so viele junge Menschenleben fordert.