Christoph Hörstel zum Vorwurf des „Antisemitismus“

Antisemitismus

In meiner Familie war es meine Großmutter, die zur Nazizeit in Goslar nach geltendem Nazi“recht“ keinen Arierpass erhielt. Mein Großvater, Anwalt und eng befreundet mit dem Schriftsteller Ernst Jünger und dem Kommunisten Ernst Niekisch, stahl das Papier und fälschte es für sie. So überlebte das Paar mit fünf Kindern die Nazizeit, die für meinen Vater als dem Ältesten unter ständiger Bespitzelung und Bedrohung traumatisch war. Ich bin auf dieses Sechzehntel jüdischen Blutes stolz.

Mein Leben ist seit meiner Jugendzeit geprägt von einem fürchterlichen SS-Schulungsfilm, in dem Bulldozer ausgemergelte Leichen jüdischer KZ-Insassen in Massengräber schieben. Unter diesem Eindruck schrieb ich damals schon an den israelischen Botschafter, sollte Israel in seinem Bestand angegriffen werden, wollte ich kommen und das Land mit meinem Leben und der Waffe in der Hand verteidigen.

Meine Frau ist Großnichte des von Hitlers Schergen am Fleischerhaken aufgehängten Nazi-Widerständlers Adam von Trott zu Solz – und es ist diese Prägung, die sie vorbereitet hat, das nicht ganz leichte Leben an meiner Seite mit unseren vier Kindern zu leben.

Diese vier Kinder tragen jedes drei Namen: einen christlichen, einen aus der islamischen Kultur und einen jüdischen. Diese Namensgebung haben meine Frau und ich so gehalten, weil wir uns dem Gedankengut der Ringparabel und des Werkes „Nathan der Weise“ verbunden und verpflichtet fühlen.

Insofern bitte ich um Ihr Verständnis, wenn ich bei Nutzung dieses Wortes sofort an meine Anwälte denke. Mich schmerzt dieses Wort, ich fühle meine Familie und mich herabgewürdigt und verletzt, auch in Selbstverständnis und Ehrgefühl.

Meine Arbeit hat für mich nicht einmal mit „Antizionismus“ zu tun, denn ich folge gar keinem –ismus, sondern ausschließlich ethischen Gesichtspunkten und denke, dass der Zionismus eine leidvolle Vorgeschichte hat, die zu seiner Entstehung führte, die wiederum den Menschen jüdischen Glaubens aus meiner Sicht in der Rückschau nicht wirklich weitergeholfen hat. Insofern werde ich sicher kein Freund des Zionismus, wohingegen zu den Semiten immerhin auch neben allen übrigen arabisch sprechenden Völkern die Palästinenser zählen, das macht den von mir nicht geschätzten Begriff auch noch sachlich abwegig. Der unverfälschte jüdische Glaube hingegen ist für mich das Urgestein meines eigenen, zutiefst christlich-evangelischen Glaubens – und damit ein Teil von mir. Vor dem besagten Großvater gibt es väterlicherseits eine ungebrochene Ahnenreihe von 300 Jahren evangelischen Pastorentums, das ist manchmal mehr als man sich vielleicht wünscht…

Die von mir geführte Neue Mitte hat sich hier eindeutig geäußert und sehr klar positioniert:

https://neuemitte.org/rechts-links/

https://neuemitte.org/israelkritik-antisemitismus/

https://neuemitte.org/existenzrecht-israels/

https://neuemitte.org/neue-mitte-juden-zionisten/