Russland: Nato wird Hauptgegner, wegen eindeutiger Aggressivität – Lage-Übersicht

putin_brisbaneq_ria_sergey-guneev

Es ist nicht geklärt, ob jetzt in Washington gefeiert wird; restlos klar ist jedoch: Die Abenteuerpolitik der USA und ihrer willfährigen Nato-Partner hat dazu geführt, dass Russland sich ganz offen absichert. Die frisch umbenannte Agentur „Sputnik“ (ehem. RIA Novosti) führt dazu aus:

„Militärische Bedrohungen verlagern sich immer mehr in den Informationsraum und in die innere Sphäre des Landes. Als eine Hauptgefahr gilt auch die Aktivität der Terroristen sowie Organisationen und Personen, die auf die Unterhöhlung der Souveränität, der Einheit und territorialen Integrität des Landes gerichtet ist. Die Aufstellung einer globalen Raketenabwehr durch die USA, ihr Konzept des „globalen Schlags“ und Pläne Washingtons, Waffen auch im Weltraum zu stationieren, wurden in der Doktrin als äußere militärische Gefahren für Russland eingestuft. In nächster Zeit wird Russland adäquat auf diese Bedrohungen reagieren.“

Zunächst einmal ist erfreulich, dass Russland endlich auf die tatsächliche, moderne Bedrohungslage reagiert, wie sie zum Beispiel auch durch die hierzulande unter den Informierten sattsam bekannte „Joint Vision 2020“ des US-Generalstabs in schönster Öffentlichkeit ausgeführt ist – und in Russland bei wichtigen Entscheidungsträgern lange unbekannt oder in der Tragweite nicht bewusst war! Gegen diesen „blind spot“ habe ich lange und intensiv angekämpft.

Interessant auch: Russland hat nicht angekündigt, die US-Doktrin der „Dominanz auf allen Gebieten“ („full spectrum dominance“) herauszufordern, behält sich jedoch eine „adäquate Reaktion“ vor.  Auch das entspricht meinem sehr langjährigen Standpunkt, dass diese Dominanz-Doktrin nur gebrochen werden kann, indem sich mehre Staaten in lockerer Kooperation darauf verständigen, jeweils einzeln adäquate Gegenkräfte zu entwickeln, die nur in der Gemeinschaft die US-Dominanz brechen können, nicht jedoch im Einzelfall. Dadurch würden Angriffe der USA auf die Säulen dieser Verteidigungsstratege auf jeden Fall einen Krieg an viele Fronten erfordern – und Washington relativ schnell erschöpfen. Entscheidend ist natürlich, dass Europa in einem solchen Moment, wenn die USA aggressiv ihre globale Dominanz verteidigen wollen, die Gefolgschaft verweigert.

Soweit so schlecht: Diese Gedankenspiele sind allesamt nur ein Symptom dafür, dass der Weltfrieden immer brüchiger wird und die Gefahr eines großen, weltweiten Krieges insgesamt steigt, weil sich diese Welt unter der abenteuerlichen, aggressiven und ausbeuterischen US-Politik gezwungen sieht, der US-Dominanz entgegenzuwirken – oder sich unterminieren, plündern und schließlich durch eingesetzte Satrapen beherrschen zu lassen.

In schöner Verkehrung der tatsächlichen Lage nutzen unsere gleichgeschaltet ferngelenkten Medien die neue Lage für eine Breitseite gegen Putin und Russland; dabei lügen sie erneut und auf breiter Front über allerhand Themen und betreiben Angstmache. Davon soll dann die globale Rüstungsmafia profitieren.

Ähnlicher Schwurbel kommt von der Nato-Sprecherin (s. unten: Lungescu-Tweets), die sich in der bekannten grotesken Weise äußert, als ob es zwei Putsche in der Ukraine, den 25-jährigen Drang nach Osten insgesamt, Terrormanagement, NGO-Aktionen gegen Putin etc. nie gegeben hätte.

Aus dem umkämpften Südosten der Ukraine erreichen uns unterdessen stark gemischte Signale: Der Krieg ist ebensowenig beendet wie die Not der Zivilbevölkerung, die mit Recht sowohl Russland als auch Kiew kritisiert. In den letzten Wochen habe ich wiederholt dargelegt, dass die Nato-Idee, Russland durch die Not der Bevölkerung unter aggressivem Druck aus Kiew in einen Krieg hineinzuzwingen, ab einer bestimmten Leidensschwelle Erfolg haben könnte – zum Nachteil ganz Europas. Auch könnte die Nato, falls dieses Szenario nicht gelingt, ein anders finden, das einen begrenzten bewaffneten Konflikt in Europa ermöglicht, wie er den mafiotischen Konzernkartellen vorschwebt, die Obama unter Erfolgsdruck setzen.

In Syrien und Irak gegen die US-Machtbestrebungen weiter, in Libyen wird soeben ein konkurrierender Öllieferant zeitweise ausgeschaltet oder zumindest stark begrenzt.

Die Tatsache, dass Obama in seiner verbleibenden Amtszeit weniger druckempfindlich wird, ist keine Lebensversicherung, auf die Europa bauen könnte und sollte. Sicherheit entsteht nur, wenn sich Menschen dafür einsetzen, Brücken zum (vermeintlichen) Gegner bauen, statt sie zu zerstören.

Und was passiert tatsächlich: Die Bestrebungen des Kanzleramts zur Umkehrung der bisherigen Arbeit der beiden wichtigsten deutsch-russischen Organisationen: „Petersburger Dialog“ (PD) und „Deutsch-Russisches Forum“ (DRF) gehen unvermindert weiter: Am 16. Januar muss der Chef des PD-Lenkungsausschusses, der ehemalige und erste frei gewählte DDR-Ministerpräsident, Dr. h.c. Lothar de Maizière, zum persönlichen Termin bei Merkel im Kanzleramt antreten. Und wir dürfen gespannt sein, welche Bataillone er dort auffahren sieht, um diese beiden verdienstvollen Einrichtungen gegen Russland zu drehen; mit Hilfe dafür eigens manipulierter weiterer „NGO“s, die dann ein wahres Sperrfeuer gegen Moskau anzetteln sollen. In Berlin sind alle Details bekannt, die Bevölkerung wird vor allem mit Propaganda eingedeckt. Auch hier federführend und kriegstreibend mit dabei: der Springer-Konzern.

Dokument „Joint Vision 2020: Full Spectrum Dominance“ joint_vision2020_1225

nato-lungescu_russia_26dez2014

 

Foto: © Sputnik. Sergey Guneev