Russland fühlt sich von den USA erpresst, warnt vor Zwist unter Atommächten – Ukraine im Krieg

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Der russische Eindruck westlicher Politik ist mehr als berechtigt – er springt ins Auge: Wenn Washington seine gewohnheitsmäßig aggressiven Ziele nicht durchsetzen kann wie gewünscht, dann wird „nachgeholfen“, mit ALLEN Mitteln – bestens nachzulesen im Dossier über „Full Spectrum Dominance“ des US-Generalstabs, das einen Krieg für die nächsten Jahrzehnte verheißt. Diese Mittel sind im Moment: Kriegführung gegen Syrien und Assad und zum Schaden des Irak und Iran mit Hilfe von gesponserten Mordmilizen Kriegführung gegen Russland in der Ukraine, innerhalb Russlands mit NGOs und gesponsertem Protest sowie indirekt durch Attacken auf Russlands Partner Iran und Syrien. Völlig korrekt stellt Putin fest, dass „Zwist unter Atommächten nichts Gutes bringe„. Befremdet wird registriert, dass und wie die USA eine „russische Drohkulisse“ aufbauen, obwohl doch klar sei, dass Russland die Nato nicht bedrohen könne. Gestern hatte der offenbar von den ständigen US-Verbalattacken und feindseligen Schritten genervte russische Regierungschef Medwedew eine „Gehirnaberration bei Obama“ attestiert, wegen dessen Charakterisierung Russlands als „Bedrohung der Menschheit“ auf der UN-Vollversammlung.

An diesem Wochenende nun wollen Putin und sein ukrainischer Kollege Poroschenko auf dem ASEM-Gipfel versuchen, im inneren Ukraine-Konflikt weiterzukommen. Nicht hilfreich erscheint da die Ernennung des neuen Kiewer Verteidigungsministers Stefan Poltorak, der  vor allem den neuen aggressiven Kurs gegen die eigene Bevölkerung und Russland verstärken soll. Die Ostukraine versinkt zusehends in einer wachsenden Serie von Übertretungen des Waffenstillstands – da schaffen beide „P“ entweder eine Umkehr – oder die Waffenruhe scheitert. Doch angesichts der Tatsache, dass Poltorak ohne US-Zustimmung niemals Verteidigungsminister geworden wäre – und angesichts der Abhängigkeit Kiews von Washingtons Wünschen – gibt es wenig Chancen auf substanzielle Besserung.

Und inzwischen hat Russland klargestellt, dass es einer Koalition ohne UN-Mandat, die Moskau von Anfang an wegen dieses Mangels scharf und wiederholt kritisiert hat, nicht plötzlich beitreten kann. Also nix „Tauwetter“, wie in Moskau erhofft. „Zusammenarbeit“ der Geheimdienste reicht da nicht aus, zumal Russland keine Daten liefern will. Schon hetzt der Spiegel wieder gegen alle, die die Sanktionen gegen Russland zumindest teilweise aufheben wollen. Und Merkel macht völlig klar, dass sie bereits Washington „Lügen-Design“ voll inhaliert hat: Einseitig beschuldigt sie Russland, die Defizite in der Umsetzung des Minsker Waffenstillstandsabkommens zu verursachen. Das Gegenteil ist korrekt – und Merkel weiß genau, wer dahintersteckt: leider auch deutsche Machenschaften „im Rahmen unserer Bündnisverpflichtungen“. Peinlich, gegen deutsche und europäische Interessen gerichtet, das Übliche.

Bei uns gar nicht beachtet wird der ostentative Ehrenempfang, den Putin in Serien auf dem Anflug zum ASEM-Gipfel genossen hat: Begrüßungskundgebung, Ordensverleihung, Zusicherungen, dass EU-Kandidat Serbien Sanktionen gegen Russland nicht mitmacht. Ein guter Tag für Putin, kein guter Tag für Europa – und die schlimmste Phase der US-Geschichte. Einzige Frage: Müssen wir das mit einem Weltkrieg bezahlen?

Dokument „Joint Vision 2020: Full Spectrum Dominance“ joint_vision2020_1225

 

Foto: © Russische Präsidialverwaltung