JEMEN – HINTERGRÜNDE

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Saudis attackieren seit 2002 vergeblich – Erfolg für Jemen!
Über den Jemen und die ständige Bedrohung durch die saudischen Nachbarn im Norden informieren die westlichen Großmedien fast gar nicht. Das bedeutet für den etwas versierteren Nachrichtenkonsumenten der Nato-Länder, dass hier offenbar unbequeme Wahrheiten liegen, deren nähere Erforschung mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führt, das offizielle Lagebild in Frage zu stellen und schließlich als eindeutig falsch zu den umfangreichen Akten der Nato-Lügen zu legen.
Die aufstrebende islamische Bewegung im Jemen hat die CIA mit saudischer Unterstützung und unter Einsatz der üblichen Mittel zu (zer)stören versucht. Eines dieser Mittel war das langjährig bewährte Terrormanagement für die Schaffung eines jemenitischen „Al-Qaida“-Franchise-Geschäfts. Die islamische Jugendbewegung und der Stamm der Houthis, zusammen mit anderen, übrigens auch sunnitischen, Kräften haben diese Hoffnung entscheidend gestört. „Al-Qaida“ ist heute im Jemen eine marodierende Söldnertruppe, die ganz schnell an ihre Grenzen käme, wenn der saudische Bomben-Druck ebenso nachlässt wir die massive Unterstützung von außen. Das allein sagt schon fast alles.
Im Ergebnis bedeutet das heute, dass die West-Marionette Al-Hadi ihre Herrschaft gegen eine Mehrheit in Parlament und Bevölkerung nicht mehr halten konnte, trotz aller massiver Unterstützung von außen nicht, die ja in einem derart armen Land wie Jemen im letzten Fünftel der ärmsten Staaten dieser Welt rein theoretisch eine große Macht entfalten könnte. Armut bedeutet jedoch nicht automatisch Uninformiertheit – und so lehren die USA mit ihrem lokalen Vasallen Saudi-Arabien die Menschen im Jemen vor allem eines: Dass es mindestens töricht wenn nicht tödlich ist, sich mit diesen gierigen und korrupten Kräften einzulassen.
Die Saudis wiederum kommen in eine verzweifelte Lage: In Libyen haben sie mitgeholfen, ein relativ blühendes, wenn auch stark korruptes, Gemeinwesen derart zu zerstören, dass an Einigung und Wiederaufbau in zehn Jahren nicht zu denken ist. Für Washington besonders erfreulich: Das afrikanische Einigungswerk des rührigen und strategisch handelnden libyschen Führers Gadhafi wurde gleich mit beschädigt. In Syrien zerbröselt eine vorbildlich friedliche multireligiöse Gemeinschaft, die zwar unter ähnlich korrupter und autoritärer Herrschaft steht wie ehedem in Libyen, jedoch mit beispielhaftem Bildungsniveau, kostenloser Gesundheitsfürsorge und vielen anderen Vorteilen auch ohne sagenhaften Ölreichtum einen sehr kultivierten, weltoffenen und unaggressiv-patriotischen Stil gefunden hat. Der Irak ist heute strukturell stark bedroht – auch mit saudischer Hilfe. Besonders ekelhaft jedoch ist der saudische Einmarsch in Bahrain und die widerwärtige Komplizenschaft mit der multikriminellen Herrschaft der Räuberfamilie Al-Khalifa, die bei ihrer Besiedelung Bahrains zu den mächtigen Piraten der Region zählten.
In Summe hat sich hier das saudische Herrscherhaus während der letzten fünf Jahre in eine höchst schwierige Lage gebracht, stets ist man mit von der Partie, wenn Muslime andere Muslime töten; ausgerechnet als offizielle Schutzmacht der heiligen Stätten Mekka und Medina; und das ohne Not. Der jetzige unprovozierte Angriff auf den Jemen könnte einen unangenehmen Wendepunkt für Riadh markieren: Seit Jahren gärt es unter den bedrängten Schiiten des Landes, von denen 30.000 in brutaler saudischer Folterhaft leiden. Die meisten wichtigen saudischen Ölquellen jedoch liegen in diesen schiitischen Gebieten. Sollten nun im Zuge der gegenwärtigen Kriegführung jemenitische und saudische Schiiten sich gegen Riadh verbünden, hätte Washington sich erneut durch besonders dumme Politik selbst in den Fuß geschossen – wie schon zuvor in Afghanistan und Irak.
Hillary Clinton hat vor einigen Jahren einmal sehr treffend bemerkt, die USA hätten derzeit zwar keine großen Feinde mehr – jedoch auch keine Freunde. Ihr Problem: Sie zieht aus dieser hübschen Einsicht bislang keinerlei politische Konsequenzen. Gorbatschow sagte: ‚Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte’ – das ist das Schicksalswort nicht nur für diese Präsidentschaftskandidatin.
Für die Familie Saud lautet die Schicksalsfrage: Wird sie rechtzeitig erwachen und ihre Politik radikal umstellen können – oder nicht?