Drohungen gegen Nato-Kritiker: offener Brief an US-Präsident Obama

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Exzellenz,

Sehr geehrter Herr Präsident,

britische und deutsche Medien berichten darüber, dass Nato-kritische Parteien in Europa mit guten Russland-Verbindungen seitens der USA und des globalen Finanzkartells Sanktionen zu fürchten haben.

Sicher ist es in Ihrem Sinne, wenn ich Sie hier nicht unziemlich mit ethischen Argumenten belästige, schließlich haben sich US-Regierungen mit der offensichtlichen Vorrangstellung finanzpolitischer Gesichtspunkte schon 1913 von solchen Erwägungen weitgehend verabschiedet.

Aber diese sicherlich manchmal lästige Regel der UN-Charta, der zufolge sich Länder nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einmischen sollten, die kann ich Ihnen jetzt nicht ersparen. Insofern die von Washington aus mit mehr oder weniger Armumdrehen geführte Nato solche Einmischungen auch gleich mit offener oder verdeckter militärischer Gewalt ausstattet, haben wir da auch bereits einen wichtigen Kritikpunkt, der den Nato-Gegnern weltweit mächtig Auftrieb gibt. Wenn es sich dabei um Luftangriffe aus großer Höhe oder mit Drohnen handelt, kommen Vorwürfe von Feigheit und Rechtsverstößen hinzu. Schließlich war ja die Nato auch als Verteidigungsbündnis geplant – während sie jetzt weite Gebiete außerhalb ihres Vertragsareals unsicher macht: bis zu einem Punkt, an dem das Verhalten der US-Regierung entscheidend dazu beiträgt, gegen Europa und vor allem gegen Deutschland eine schwere Migrationswaffe in Stellung zu bringen. Als ausgewiesener und kriegserprobter Freund des amerikanischen Volkes mache ich mir hier große Sorgen, dass das entsetzliche Schicksal der Länder Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien, von den vielfältigen Leiden des Iran in fast 40 Jahren ganz zu schweigen, – den US-Amerikanern wie eine tödliche Last um den Hals hängen könnte, wenn sie dereinst ohne Freunde und haushohe Überlegenheit in unruhigen Weltgewässern schwimmen müssten. Es wäre sicherlich nicht hilfreich, dieser Last noch den großen Ballast eines unerfreulichen europäischen Schicksals hinzuzufügen.

Leider muss ich Ihnen noch die ebenfalls veröffentlichte Befürchtung zumuten, dass Washington als Exekutive des globalen Finanzkartells dafür sorgen könnte, dass Nato-Kritiker gewaltige Sanktionen gegen ihre Heimatländer auslösen könnten, von politischen und gar persönlichen Nachteilen ganz zu schweigen, die alle bekannt und mit dem Namen USA verbunden sind. Gern erwarten wir auch Überfälle unserer oder anderer „Sicherheits“kräfte auf unsere Büros, beschlagnahmte Computer, Festnahmen etc., kurz, das ganze Repertoire krimineller Unterdrückungspolitik.

Jetzt bin ich eigentlich froh, dass wir darüber ganz entspannt ein wenig plaudern können, während die Schrecklichkeiten „noch in Arbeit“ sind: Was hier geschieht, geschehen könnte, wird in furchtbarem Ausmaß Wasser auf die Mühlen der US-Gegner bringen. Sie, die US-Regierung, Kongress und Institutionen werden Trotz, Spott und Hohn ernten, wo Sie doch gerade versuchen, „Amerikas Stärke“ zu demonstrieren – während in Wahrheit alle wissen, dass Ihre Finanzkartelle Ihr stolzes und schönes Land mit seinen liebenswerten und wunderbaren Menschen binnen gut 100 Jahren über den Umweg einer Hypermacht in eine tiefe Rekord-Pleite getrieben haben, finanziell, politisch und moralisch. Sie werden feststellen, dass sich Ihre Gegner zusammenschließen und formieren werden, dass wir in eine weitere sinnlose und  hässliche Auseinandersetzung hineinkommen, die fast allen schadet – und nur einer Handvoll Nutzen bringt: wie fast immer. Und im Hintergrund lauert ja stets diese wenig erbauliche Möglichkeit, dass die unter Ihrer Mitwirkung beschützten Kartelle aus purer Gier am Ende doch noch die Weltkriegsoption ziehen könnten.

Ganz im Ernst: Gute Russland-Beziehungen sind für Europa eine Frage des angemessenen Umgangs mit einem großen Nachbarn. Ihrem Land sind derartige Gedanken möglicherweise nicht so geläufig, weil in der Nachbarschaft der USA hauptsächlich eine Reihe kleinere Staaten existieren, die unter dieser Nähe oft auch vielfach gelitten haben, ohne dass ich Sie jetzt langweilen oder gar ermüden wollte. Gute Russland-Beziehungen sind für viele in Europa nur ein Bestandteil mehrerer grundsätzlicher Überlegungen, die Zukunft friedlich, gerecht, konstruktiv und gemeinschaftlich zu gestalten, kurz: den Plänen bestimmter Machtkartelle zuwider. Manche unter uns Nato- und US-Politik-Kritikern wollen gar Freundschaft mit Russland – und das ist nicht nur unser gutes Recht, das ist unser berechtigtes Interesse, der Schlüssel zu einer gesunden europäischen Zukunft, so die US-eigene Analyse. Ich für meinen Teil möchte diesen aus meiner, unserer Sicht unerlässlichen Weg mit einer Vertiefung der Verbundenheit mit dem amerikanischen Volk verknüpfen, erst dann wird ein tatsächlich konstruktiver Beitrag zur Weltpolitik möglich.

Und da gerade die Droh-Potenziale der Kartelle zur Sprache kamen: Wie wäre es, wenn Sie bis zum Ende Ihrer Amtszeit begännen, US-Dollars ohne Kredite als öffentliches Geld begeben zu lassen, ohne Zinsleistung an das Kartell? Wenn Sie selbst dazu beitrügen, dass weltweit die Befreiung einsetzen könnte, die von den jetzt kritisierten Parteien zu Recht angestrebt wird?

Denn das ist, was die von mir geführte, noch kleine Partei erreichen wird: Befreiung vom Grundübel unserer Epoche. Und das tun wir, ohne Hast und Wut, im klaren Bewusstsein, dass wir, neben vielen anderen, auch verbunden sind mit vielen Amerikanern, die gerade dieses entscheidende Verständnis mit uns freundschaftlich teilen.

Sehr geehrter Herr Präsident, bitte nehmen Sie meinen Ausdruck tiefer Verbundenheit sowie meine besten Wünsche für Sie, für Ihre Regierung und für das ganze amerikanische Volk an.

Mit hochachtungsvollen Grüßen

Christoph Hörstel

Bundesvorsitzender Deutsche Mitte

 

Foto: © RIA Novosti. Sergej Gunejew