Brisbane: Die Weltgewichte verschieben sich – Putin sieht G20 nicht mehr als Kerngeschäft

putin_brisbaneq_ria_sergey-guneev

Es ist immer hübsch zu lesen, wenn der Spiegel offiziell nicht versteht worum es geht: Putin reist früher vom Gipfel ab als andere heißt: Er hat seine Aufgaben dort erledigt, ein freundliches Beisammensein mit der aggressiven und auf absurde Beschuldigungen gebügelten Nato wird ohnehin nicht mehr daraus: Obama, globaler Terrormanager Nr. 1, IS-Erfinder und -Förderer, Büttel der Finanzmafia mit der größten (Goldman-Sachs-)Mafia-Truppe, die jemals eine US-Administration bevölkerte, verstieg sich zu der phantastischen Erklärung, Russlands Aggression sei eine Bedrohung für den Weltfrieden. Wie bitte? War das jetzt ein russischer Putsch in der Ukraine? Öffnet Russland für IS die Türen zu Gaswaffen? Unterstützte Russland das Massaker im Gaza-Streifen? Muss sich Putin das antun? Die eng befreundeten Staaten der Gruppe, BRICS etc., kann er woanders besser unbeaufsichtigt durch westliche Geheimdienste treffen. In Brisbane gibt es schließlich keine Rückzugsmöglichkeiten: alles verwanzt, NSA mit rotglühenden Drähten – muss niemand haben.

Schon der Vorlauf zum Gipfel ließ erkennen, dass der Westen vorhatte, Putin mit einem Propaganda-Blitz auflaufen zu lassen: Am Dienstag hatte Australiens Premier Abbott von Putin gar eine Entschuldigung für den MH17-Absturz gefordert. Am Freitag versuchte Nato-Generalsekretär Stoltenberg Putin den Bruch des Waffenstillstands anzuhängen – nachdem Kiew in Washingtons Auftrag und mit europäischer Hilfe die ganze Waffenruhe genutzt hatte, um sich an den Grenzen  der Volksrepubliken neu aufzustellen, auszurüsten, umzugruppieren – und ständig mit Artillerie zu attackieren. Am Samstag stellte Frankreich auf stur – und will die „Mistral“-Hubschrauberträger nicht wie vereinbart liefern. Russland steht dann eine sündteure Entschädigung zu – und Frankreich bleibt auf den Spezialschiffen sitzen. Der nächste Schritt wäre, die Entschädigung zu verweigern, nach dem guten alten Motto: Holt sie euch doch! Kriegstreiber sind in einer besseren Position.

Aber den größten Knüller hebt sich die Nato-Kampfpostille für die Putin-Merkel-Begegnung auf. Stufe 1: Die Kanzlerin verliere die Geduld mit Putin. Ui, das wird ihn schwer in Probleme stürzen. Oder wird das nicht vielmehr dazu führen, dass Russland weitere Geschäfte in freundlichere Gefilde verlegt? Hatten die deutschen Top-Firmen deshalb vorher ein geheimnisumwittertes Sondertreffen in Russland arrangiert? Jedenfalls lässt Russland sich nicht mehr alles gefallen, hat eine deutsche Diplomatin ausgewiesen, nachdem die Deutschen einen russischen Konsulatsmitarbeiter in Bonn angeblich beim Spionieren erwischt hatten. Pünktlich zum Termin störte Springers „Welt“ mit einer Meldung, Deutschland könne die Speerspitze der neuen Nato-Aggressionstruppe gegen Russland stellen, was Spiegel, Klassenstreber im Kriegsgeschäft, diensteifrig übernahm. Für diesen Fall kündige ich hiermit ein weiteres Interview zum Thema „Hochverratspolitik“ an und werde Angela mit Adolf vergleichen. „Welt“ entblödet sich sich nicht, die Auflösung Russlands für den Fall eines Krieges um die Ukraine in Aussicht zu stellen – falls Russland verliert. Die Fascho-Politik dieser Postille hatte auch den deutschen Vier-Sterne-General Domröse mit der Ansicht zitiert, für die er gefeuert werden müsste, die Nato könne doch mit 40.000 Mann an der russischen Grenze ins Manöver gehen. Das ist deshalb so unwahrscheinlich gefährlich, weil die multikriminellen Kriegstreiber in den letzten 15 Jahren stets mit solchen Manövern gearbeitet haben, um von dort aus zur heißen Aktion überzugehen: siehe die Attentate 9/11 London!

Stufe 2: Kaum zu glauben! – fette Unterzeile: „Putin weiß, dass ihm vom Westen keine echte Gefahr droht“.

spiegel_brisbane_15nov2014

Was soll denn dieser nachfolgende Satz: „Doch inzwischen tut sich damit die Kanzlerin immer schwerer.“? Womit tut sie sich immer schwerer? Mit diesem angeblichen Wissen Putins? Will sie ihn also bedrohen (s. oben, General Domröse)? Oder mit den Bemerkungen davor: „Putin arbeitete für den KGB in der DDR, dem Land, in dem Merkel aufgewachsen ist. Eigentlich müsste das Merkel einen Startvorteil geben, wenn es darum geht, Putin zu verstehen.“ Wer solche Missverständnisse aufbaut, kann den Frieden gefährden. Und nicht zuletzt sollten wir noch einmal diese Lügenbemerkung mit der „echten Gefahr“ anschauen. Mit: „Putin weiß, dass ihm vom Westen keine echte Gefahr droht“ wäre die Realität weit besser umschrieben: Die Nato umzingelt Russland seit fünfundzwanzig Jahren zunehmend, unterhält hunderte NGOs im Anti-Putin-Einsatz im Innern der Russischen Föderation – und lässt wenig aus, um dort Unruhe zu stiften.

Im Grunde ist die Nato einfach nur schockiert darüber, dass Putin sich nun gar nichts mehr gefallen lässt – und einfach überall gegensteuert, auch auf dem Balkan; anders ausgedrückt: Nato/EU bekommen Konkurrenz! Und die belebt das Geschäft, hoffe ich – und nicht den Konflikt, Washington-Brüssel? Jedenfalls stellte Putin im Interview mit Jauch klar, dass die westlichen Sanktionen gegen Russland inadäquat seien und im Westen, in Deutschland Schaden anrichteten.

Schließlich sollten auch Russlands Kriegsschiffe vor Australiens Küste noch einen kurzen Blick erhalten. Spiegels Oberzeile von der „Machtdemonstration“ ist lächerlich: In einem solchen Falle könnte Russland 40 Schiffe schicken – und nicht bloß vier. Hier geht es darum, der Welt und den Gipfelteilnehmern vor Augen zu halten, dass Putin den Westen für aggressiv hält und ihm nicht mehr traut. Wenn ich mich mit einer Truppe von multikriminellen Pleitegeiern treffe, so leid mir das tut, besser kann ich Nato/EU nicht kurzfassen, dann werde ich mich bewaffnen – und schauen, dass meine Handybatterie voll ist. Der viel schlichtere Hintergrund dieses russischen Vorgehens jedoch ist: Obama hat mehr Schiffe mitgebracht – und Russland arbeitet jetzt auf Augenhöhe.

In diesem ganzen Eskalationsgebrüll gingen Putins äußerst zurückhaltende Äußerungen praktisch unter – zumindest für den fehlinformierten Westen. Gestern rief mich „Sputnik“ an, weil man in Moskau natürlich besorgt ist wegen der ständigen Beschuldigungen über angebliche russische Panzerkolonnen in der Ukraine. Ich habe abgewiegelt, weil die USA wirklich grundsätzlich andere genau der Taten beschuldigen, die sie soeben, brandaktuell, selbst begehen. Als ob sie den Scheinwerfer der Öffentlichkeit – noch während sie das Verbrechen begehen, dessen sie andere beschuldigen – von sich weg, umdrehen und auf den Gegner richten wollten. Problem: Das gelingt nur im desinformierten Westen.

Jüngste Interviews zum Themenbereich:

IRIB-Interview vom 12. November 2014: http://german.irib.ir/analysen/interviews/item/270783-interview-mit-christoph-hörstel

Radio Sputnik English, Nov. 14, 2014: http://sputniknews.com/radio_burning_point/20141114/1014739377.html

IRIB Interview English, Nov. 16, 2014: http://english.irib.ir/analysis/interviews/item/199689-us,-uk-bid-to-ruin-g20

 

Foto: © RIA Novosti. Sergey Guneev